Demokratie und Corona

Der Kakophonie unterschiedlicher Meinungen und Rezepte, dem Wirrwarr von Entscheidungen in Sachen Korona zuzuhören und ihre Folgen willig zu ertragen wird immer schwieriger. Da mischen sich vor den Augen der Bevölkerung Eitelkeiten, politisches und ökonomisches Kalkül und ehrliche Absichten zu einem zunehmend unverträglichen Brei.
Es ist peinlich zu sehen, wie viele unserer Entscheidungsträger hilflos durch die Klippen der Pandemie stolpern. Wäre es da verwunderlich, wenn die Bürgerinnen und Bürger unseres Landes allmählich ungeduldig würden? Wenn am Ende aus Verzweiflung und Hilflosigkeit Aggression wüchse? Unsere Demokratie droht ins Wanken zu kommen und unsere Politiker rütteln kräftig mit am Fundament auf dem sie steht. Es droht das Aufkommen einer wachsenden Sehnsucht nach der starken Persönlichkeit, die „die Sache in die Hand nimmt“, und uns alle aus dem Tal der wachsenden Hoffnungslosigkeit herausholt. Es wäre nicht das erste Mal in der Geschichte, dass sich in Krisenzeiten Machgierige als Wunderheiler anbieten. Schon in der antiken römischen Republik wurde in Krisenzeiten ein Diktator auf Zeit gewählt, um kraftvoll und ohne lange Debatten „durchregieren“ zu können. Wer die Geschichte kennt, weiß wie das endete. Diktatoren wollten ihre Macht nicht wieder an das Volk zurückgeben. Am Ende steht die Tyrannei. Auch wenn die Demokratie womöglich die schlechteste Grundlage zur Bewältigung schwerer Krisen ist, so ist sie mit allem hilflosen Herumfuchteln doch allemal besser als die Aussicht auf dauerhafte Unterdrückung – weit über die Krisenzeit hinaus.  Es muss unseren Politiker*innen endlich klar werden, auf welch schmalem Grat zwischen sich festsetzender Krise und sich auflösender Demokratie sie sich mit ihrer Kompromissunfähigkeit, Parteilichkeit und ihrem Egoismus bewegen – und welcher Abgrund unter ihnen lauert.

22.02.2021
Klaus Munk

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